Category Archives: Leuchttürme

Leuchttürme sind vorbildliche Beispiele von Solaranlagen in der jeweiligen Gemeinde.

Leuchtturm Eglisau: Schüler:innen bauen für eigenen Solarstrom 

Im Rahmen des Bildungsprogramms «Klimaschule» von MYBLUEPLANET baute die Primarschule Eglisau ZH eine Solaranlage auf das Schuldach Steinboden. Das Besondere daran: Schülerinnen und Schüler haben bei der Montage mit angepackt und lernten dabei erneuerbare Energien sowie neue Berufsfelder praxisnah kennen.

Der 7. Oktober 2021 war ein grosser Tag für Primarschule Eglisau. Das Schulhaus Steinboden erhielt eine Solaranlage und somit auch sauberen Strom für die Zukunft. Am Baustellentag war aber nicht nur das Montageteam von EKZ Eltop im Einsatz, sondern auch fleissige Schülergruppen. Sie durften beim Verlegen und Verkabeln der Panels mithelfen und damit Stück für Stück die neue Solaranlage aufbauen. 

Die Motivation 

Das Bildungsprogramm Klimaschule von MYBLUEPLANET hat zum Ziel, die junge Generation für den Klimaschutz zu begeistern und zu sensibilisieren. Komplexe Themen werden mit praxisnahen Beispielen und Erlebnissen vermittelt. «Wir sehen es immer als Chance, infrastrukturelle Veränderungen mit Bildung zu verknüpfen», erzählt Angela Serratore, Programmleiterin Klimaschule. So haben am Baustellentag neben den Dacharbeiten auch verschiedene Workshops zum Thema Solarenergie, Strom und Energieverbrauch stattgefunden. Die Bildungsaktivitäten wurden vom EKZ- und Klimaschule-Team angeboten: «Es war ein sehr gutes und breites Angebot. Die Schüler:innen haben das wahrgenommen, waren begeistert und haben gut mitgemacht», bestätigt Markus Bleiker, Lehrperson an der Primarschule Eglisau. Als Abschluss durften alle Klassen bei einer Dachführung die neue Sonnenanbeterin bestaunen und die Fachspezialisten mit Fragen durchlöchern. «Der Austausch zwischen dem Montageteam und den Schüler:innen ist immer sehr erfrischend. Es kommen Fragen und Bemerkungen auf, die eine Bereicherung für beide Seiten sind. In der Vergangenheit konnten dank dem Baustellentag auch schon freie Lehrstellen bei Solarunternehmen besetzt werden», resümiert Frau Serratore. 

Wie weiter? 

Für eine nachhaltige Wirkung werden Projekte im Klimaschule Programm mit weiterführenden Möglichkeiten eröffnet. Beim Baustellentag ist das zum Beispiel ein Bildschirm, der gut sichtbar in der Schule die Tageserträge oder die eingesparte CO2 Menge der Anlage visualisiert. Diese Daten können im Unterricht für Berechnungen verwendet werden. Durch den Bildschirm haben auch künftige Generationen oder externe Gäste der Schule eine Verbindung zur Anlage und werden an den Bezug von nachhaltigem Strom erinnert. 

Der Bau der Solaranlage resp. die Teilnahme am vierjährigen Programm Klimaschule wirkt über die Schulgrenzen hinaus. Es vernetzt das lokale Gewerbe bei Projekten und trägt das Nachhaltigkeits-Bewusstsein bis an die Bürgerinnen und Bürger. Zudem zählt die Durchführung des Programms als wichtige Massnahme für die Energiestadt-Bestandesaufnahme.

Die Gemeinde Eglisau hat nun schon zwei Schulhäuser (Sekundarschule Städtli und Primarschule Steinboden) mit einer Solaranlage ausgestattet. Kennen Sie eine Schule in Ihrer Gemeinde, die eine Solaranlage bauen möchte und bereit ist, eine Klimaschule zu werden? Hier geht’s zur Kontaktaufnahme

Finanzierung: Doppelt nachhaltig

Von der Solarstromproduktion auf dem Schuldach profitierten auch andere Interessensgruppen. Der überschüssige Strom konnte als EKZ Generationenstrom gekauft werden. Ein Anteil des Erlöses floss wiederum in einen EKZ-Fonds, der den Bau von weiteren Solaranlagen auf anderen Schulhausdächern fördert. 

Finanziert wurde die Solaranlage Steinboden vom Schulbudget, von der Bundesförderung sowie dem EKZ-Fonds. Die Primarschule Eglisau ist die erste Schule, die von diesem Fonds profitiert.

Technische Details

  • Leistung: ca. 30 kWp 
  • Jährliche Stromproduktion: 38’000 kWh (= Strombedarf von ca. 11 Haushaltungen) 
  • Eigenverbrauch: ca. 40% 
  • 96 Module

Weitere Informationen zu Klimaschule und Finanzierung

Videos: 

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Leuchtturm Winterthur: Solarpower für Logistik-Unternehmen

Das man mehr tun könnte, um nachhaltiger zu wirtschaften, war schon lange klar. Der Generationenwechsel brachte den Stein dann so richtig ins Rollen. Nun produziert eine Photovoltaik-Anlage auf dem Gebäude der Optimo Group sauberen und wertvollen Strom für den Eigenverbrauch.

Es ist ein nieselregnerischer Vorfrühlingstag. Wir sind in den Winterthurer Stadtteil Neuhegi gefahren, um uns dort mit Dominik Uhlmann (33), Mitglied der Geschäftsleitung, sowie mit Dominik Lüthi (32), Verantwortlicher für Gebäudemanagement und Infrastruktur der Optimo Group, zu treffen. Soeben sind wir mit leicht zittrigen Knien eine durch einen Aluminiumkäfig geschützte Vertikalleiter hochgeklettert. Nun stehen wir hoch oben auf dem Flachdach einer Industriehalle. Vor uns liegt die neue, über 1’300 Quadratmeter grosse Photovoltaik-Anlage. Sie ist seit rund vier Monaten in Betrieb. Und es ist nicht nur der grossartige Blick über das weitläufige Areal des ehemaligen Sulzer Konzerns, der uns den Atem raubt.

Unter uns liegt die Kistenproduktion der Optimo Logistics, dem Geschäftszweig des Winterthurer KMU, bei dem sich alles um Verpackungen, Transporte und Lagerlogistik dreht.

Würden wir uns jetzt imaginär fallen lassen, durch das Dach hindurch und hinunter bis zum Boden, würde sich uns folgendes Szenario offenbaren: Ein grosser, offener Lagerraum. Bretter, Spanplatten, Kanthölzer und Holzlatten stapeln sich bis fast unter die Decke. Hubstapler surren durch den Raum. Im Hintergrund rotieren Kreissägeblätter. An grossen Sägemaschinen wird geschnitten und gefräst. Es riecht nach frischen Holzspänen. Kompressoren prusten, Pneumatik-Anlagen schnaufen. An Montageplätzen werden Werkteile montiert, mit Druckluftnaglern Metallstifte ins Holz geschossen, Paletten und Verpackungskisten Stück für Stück zusammengebaut. Alles was hier gefertigt wird, dient dazu, die individuellen Verpackungswünsche der zahlreichen Industriekunden der Optimo Logistics zu erfüllen.

Die PV-Anlage

Keine Frage, in einem Betrieb wie diesem ist nicht nur Manpower gefordert – viele kräftige und fleissige Hände – sondern auch Strom. Solarpower seit Neuestem. Das Erfreuliche: Seitdem die Photovoltaik-Anlage in Betrieb ist, deckt sie rund 70 Prozent des täglichen Strombedarfs ab. Rein rechnerisch, denn der Netzbetreiber regelt es so, dass der vor Ort produzierte Solarstrom zuerst ins öffentliche Verteilnetz der Stadtwerk Winterthur eingespeist wird, um anschliessend indirekt an die Prosumenten zurückzufliessen. Wann und wie viele Kilowattstunden die PV-Anlage genau produziert, können Uhlmann und Lüthi auf einer App in Echtzeit nachverfolgen. Stromproduktion und Stromverbrauch weist Stadtwerk Winterthur zudem in der Abrechnung detailliert aus.

Mit der Inbetriebnahme der Anlage stellte Optimo Logistics einige der Prozesse um. So wurde das Heizkonzept überarbeitet. Die Boilerladung erfolgt nun tagsüber, und man hat auf Durchlauferhitzer umgestellt. Für die Arbeit in der Kistenproduktion wurde ein Elektrostapler mit Schnellladefunktion bestellt. Der lässt sich während der arbeitsfreien Mittagszeit mit eigenen Solarstrom sauber laden, damit er während den Arbeitszeiten voll einsatzfähig bleibt. «Allerdings erst bestellt …», seufzt Dominik Uhlmann, denn 47 Wochen Lieferfrist bedeuten, dass das neue Elektrofahrzeug frühestens ab August 22 zum Einsatz kommen wird.

Die Motivation/Initiative

Doch bis zur fertigen Solaranlage auf dem eigenen Werkdach war es ein langer Weg, lacht Uhlmann, der seit 2018 in der Geschäftsleitung sitzt. Zwar gab es immer mal wieder vage Ideen, wie man das Potenzial der freien Dachflächen für die Stromerzeugung nutzen könnte. Doch erst mit dem Generationenwechsel rückte das Thema Nachhaltigkeit vermehrt in den Fokus. Und als dann auch noch der Energieversorger, Stadtwerk Winterthur, anklopfte und fragte, ob man im Rahmen eines Contracting Modells an der Vermietung der Firmen-Dachflächen interessiert sei, kam das Solar-Projekt so richtig ins Rollen.

Die Umsetzung

«Kann man mehr für die Umwelt tun und gleichzeitig Renditeerwartungen erfüllen?» Diese Frage trieb Dominik Uhlmann an, als er seinen Mitstreiter Dominik Lüthi mit der internen Projektleitung betraute. Klar war, sie wollten eine eigene PV-Anlage realisieren.

Für das Vorprojekt holten sie Unterstützung bei der Firma Solarville, einer Dienstleisterin für Energielösungen. Diese erstellte anhand eines Lastprofils eine Investitionsgrundlage, um besser zu erkennen, wann der Energieverbrauch anfällt und wo Prozessanpassungen zu Effizienzverbesserung beitragen. Solarville half auch, die optimale Grösse der PV-Anlage zu berechnen und die technischen Anforderungen zu spezifizieren. Dem Verwaltungsrat konnte so ein überzeugender Antrag vorgelegt werden, und dem Bau der Solaranlage wurde zugestimmt.

Technische Details

  • Leistung: 273 kWp
  • Jährliche Stromproduktion: 270’317 kWh (= Strombedarf von ca. 60 Haushaltungen)
  • Amortisationszeit: < 8 Jahre
  • Eigenverbrauch: ca. 70%
  • Fläche: 1’315 m² 
  • CO2-Einsparungen: 158 t /Jahr
  • 400 Watt-PV-Module, aufgeständert, Neigungswinkel 10° Grad
  • Ausrichtung: Ost-West

Die Ausschreibung des Bauauftrags erfolgte im Einladungsverfahren. Für die Optimo Group war klar: Der Umsetzungspartner sollte – neben dem Faktor Preis – noch weitere Kriterien erfüllen: Ein Solarprofi aus der Region sollte es sein, möglichst ein inhabergeführtes Unternehmen, das die Garantie geben kann, dass die Montage vor Ort mit eigenen Mitarbeitenden statt Subunternehmern ausgeführt wird. Den Zuschlag erhielt auch hier Solarville. Sicher nicht nur, weil man unternehmerisch viele gemeinsame Werte teilt, sondern auch, weil die Zusammenarbeit im Vorprojekt sehr positiv verlaufen ist.

Nach rund 14 Monaten Vorbereitung, Konzeption, Planung und Bau war es dann endlich so weit: Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Verpackungshalle konnte im Dezember 2021 in Betrieb genommen werden.

Zukunftsvisionen?

Verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen, liegt seit je her in der DNA der Optimo Group, bekräftigt Dominik Lüthi, der ja für den Gebäudeunterhalt zuständig ist. Den vom Bund vorgeschriebenen Massnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz – Strom und Wärme sparen, Leuchtmittel ersetzen, sich von ineffizienten Geräten trennen – kommt man pflichtbewusst nach.

Seitdem aber vermehrt auch Kunden bei Auftragsausschreibungen konkrete Nachhaltigkeitskriterien nachfragen, steht die Geschäftsleitung vor neuen Herausforderungen. «Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass Nachhaltigkeit vermehrt in unserer Agenda aufgenommen wird», meint Dominik Uhlmann. «Noch stehen wir hier ganz am Anfang,», gibt er unumwunden zu, «doch was wir auf Projektebene zu leisten vermögen, gehen wir zügig an.» So ist der Bau einer weiteren PV-Anlage auf dem Dach einer anderen Firmenimmobilie bereits entschiedene Sache. Steht dereinst noch mehr selbsterzeugter Solarstrom zur Verfügung, soll auch ein E-Mobilitätskonzept umgesetzt werden. Fossil betriebene Firmenfahrzeuge sollen dann sukzessive mit Elektro-Fahrzeugen ersetzt werden.

Ein grosses Versprechen, das die junge Führungsgeneration der Optimo Group hier für den Klimaschutz und zugunsten der Nachhaltigkeit abgibt. Aber ein glaubwürdiges, wenn man hier oben auf dem Dach steht und trotz Nieselregen die Kraft der Frühlingssonne spürt. Demnächst wird die Wolkendecke erneut aufreissen. Ihre Lichtstrahlen werden auf die ausgelegten Solarzellen treffen und sich in wertvolle elektrische Energie verwandeln. Derweil unter dem Dach der Kistenproduktionshalle der Betrieb emsig weiterlaufen wird.

Diese Textreportage ist in Zusammenarbeit mit Optimo Group entstanden. Gibt es in Ihrem Unternehmen auch spannende Solarprojekte, über die wir berichten sollen? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

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Leuchtturm Horgen: Bürgerinnen und Bürger finanzieren PV-Anlage auf Schulhausdach

Es ist Januar 2022. Auf dem Dach der Turnhalle des Schulhauses Rotweg in Horgen starten die Bauarbeiten für eine neue Photovoltaik-Anlage. Bei trockenem Winterwetter und atemberaubendem Blick auf den See, ist die PV-Anlage nach wenigen Wochen installiert. Seither erzeugt die Anlage durchschnittlich 43 kWp Leistung und wird voraussichtlich 38’000 kWh Strom pro Jahr ins lokale Stromnetz einspeisen. 

Die Videoreportage

Die Motivation

Der Bau der PV-Anlage auf dem Dach eines gemeindeeigenen Gebäudes geht zurück auf die Energiestrategie der Gemeinde Horgen aus dem Jahr 2020 und auf ein öffentliches Mitwirkungsverfahren. Bürgerinnen und Bürger wurden aufgefordert, sich mit eigenen Ideen und Wünschen einzubringen. Und sie taten das mit grossem Engagement. Eine häufig gestellte Frage damals lautete: «Wie kann ich mich an einer PV-Anlagen beteiligen, wenn ich selber kein Dach zur Verfügung habe?»

Technische Details

  • Aufdachmontage auf bestehendem Schrägdach
  • West-/Ost-Ausrichtung
  • 124 Module à 350 W
  • Leistung der Anlage: 34 kWp
  • Jahresproduktion: ca. 38’000 kWh
  • Lebensdauer: mind. 20 Jahre
  • Produktion über Lebensdauer: 766’000 kWh

Die Gemeindewerke Horgen, die als lokaler Partner die Bevölkerung und das Gewerbe mit Strom, Gas, Wasser und Fernwärme versorgt, nahmen den Ball auf und brachten die Idee eines Bürgerbeteiligungsmodells ins Spiel. Und das funktioniert so:

Das Beteiligungsmodell für Bürgerinnen und Bürger

  • Einwohnerinnen und Einwohner erwerben Anteilscheine.

  • Die Preise und die Anzahl der verfügbaren Anteilscheine wird bestimmt durch die Grösse und die erwartete Leistung der Anlage.

  • Mit dem direkten Investment durch Bürgerinnen und Bürger wird der Bau der Anlage finanziert und die Gemeindekasse entlastet.

  • Im Gegenzug erhalten die Investoren während der Laufzeit von 20 Jahren jährlich eine bestimmte Menge Solarstrom (kWh) an der eigenen Stromrechnung gutgeschrieben.

Fazit

Horgen trägt das Energiestadt-Label mit Status Gold seit 2020. Es steht für ein energiepolitisch herausragendes Engagement. Damit gehört Horgen bereits heute zu den 60 besten Gemeinden der Schweiz. Zu verdanken hat sie das auch einer engagierte Bevölkerung, die ihre Erwartungen an die Gemeinde selbstbewusst formuliert und klare Erwartungen an die Stromproduktion der Zukunft hat: CO2-neutral, lokal und unabhängig.

Die erfolgreiche Realisation einer gemeinschaftlich finanzierten PV-Anlage und die grosse Nachfrage seitens der Bevölkerung nach noch mehr lokal produziertem Solarstrom, ist für Horgen und ihre Gemeindewerke Anlass genug, eine Fortsetzung der Aktion ins Auge zu fassen. Aktuell werden weitere Standorte geprüft, die für den Bau einer gemeinschaftlichen PV-Anlage in Frage kommen könnten. Sobald das Projekt spruchreif ist, wird die Bevölkerung aktiv informiert und die Gemeinde Horgen kann eine weitere Runde für den Verkauf von PV-Anteilsscheinen einläuten.

Wir von MYBLUEPLANET wünschen jetzt schon viel Erfolg und hoffen, dass möglichst viele andere Gemeinden sich Horgen als Beispiel nehmen.

Weiterführende Informationen

> Aufzeichnung des Gemeinde-Webinars Bürgerbeteiligungsmodelle (SolarAction im Gespräch, unter anderem auch mit Madlaina Perl, Leiterin Geschäftsentwicklung, Gemeindewerke Horgen)
> Energiestadt Horgen

Leuchtturm Winterthur: Solarstrom macht Freude

Solarstrom Anlage Winterthur

Schon im Jahr 2010 hat die Familie Lüscher auf ihrem Dach eine Solaranlage installiert. Seit da hat sich die Anlage amortisiert und funktioniert nach wie vor einwandfrei. Empfehlenswert? Absolut, findet Daniel Lüscher, Vereinspräsident von MYBLUEPLANET.

Die Motivation

Die Idee hinter der Anlage stammte tatsächlich von MYBLUEPLANET selbst. Im Jahr 2010 gab es nämlich schon einmal eine Aktion, die sich rund um Solaranlagen drehte. Das Ziel war: 1000 Solardächer im Jahr 2010. «Ich wollte unbedingt auch eine Anlage haben und somit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten», erzählt Daniel.

Die Installation


Am wichtigsten für die Installation sei die Wahl des Installateurs. Hier muss man sich Zeit lassen, rät Daniel. Dass er den richtigen Mann gefunden hatte, war spätestens dann klar, als dieser mit seinem Elektroauto zur ersten Evaluation des Daches auftauchte: «Der war ein echter Pionier damals!». Ab dann verlief alles ganz entspannt. Um die Baubewilligungen kümmerte sich die Installationsfirma. Ein Gerüst musste nicht aufgestellt werden und innerhalb von zwei Tagen waren die 24 Panels auf dem Dach.



Technische Details:

  • Leistung: 5,76 kWp
  • Lebensdauer: mind. 25 Jahre
  • Aufständerung der Panels: 15 Grad
  • 24 Module à 1,2m x 2m, also 57,6 m2
  • Stromproduktion total bis jetzt: ca. 66’200 kWh
  • Amortisationszeit: ca. 8 Jahre



Ein weiteres Highlight für Daniel: er durfte mitarbeiten. «Mir war es wichtig, bei der Installation mitzuhelfen als Monteur, also als Hilfskraft. So war ich dann wirklich ein Teil des Baus und hatte einen Bezug zur Anlage. Das macht gleich noch mehr Freude.»

Die Anlage heute

Seit 12 Jahren produziert die Anlage nun fleissig Strom. Reparaturen waren noch nie nötig. Den einzigen Aufwand, den Daniel hat: Einmal im Jahr steigt er aufs Dach, um die Panels mit Fensterwaschmittel zu reinigen. Zwingend nötig ist das nicht, aber es hilft sicherlich, den Wirkungsgrad hoch zu halten und das letzte Prozent noch hinauszukitzeln. Dazu kommt, dass das Dach begrünt ist. Und da das Substrat im Spätsommer wegen der Beschattung durch die Panels nicht wie normalerweise austrocknet, muss so oder so überprüft werden, dass da nicht zu viel wuchert.

Einen Eigenverbrauch gibt es jedoch nicht: Der produzierte Strom wird direkt ins Netz eingespeist. So war das Gesetz damals. Der Vertrag funktioniert folgendermassen: Die Familie Lüscher speist den Strom ihrer Solaranlage ins Netz ein und erhält dafür 50 Rp/kWh. Den Strom, den sie vor Ort verbrauchen, müssen sie aber wieder einkaufen. «Das ist eine sehr hohe Vergütung. Ich sage immer, die Anlage finanziert unsere zweite Woche Sommerferien!», scherzt Daniel. In einigen Jahren wird dieser Vertrag jedoch auslaufen. Dann steht das nächste Projekt an: einen Batteriespeicher zu installieren. So soll ein sehr hoher Eigenverbrauch erzielt werden. Sensibilisiert ist die Familie aber schon: Sie haben sich beispielsweise bereits angewöhnt, dann zu waschen, wenn die Sonne scheint.

Und auch ansonsten ist das Einfamilienhaus in Seen in Sachen energetische Anpassungen auf dem neusten Stand. Geheizt wird mittels Luft-Wasser-Wärmepumpe, die schon beim Bau des Hauses vor 15 Jahren installiert wurde. Das Warmwasser hingegen wird durch zwei Solarthermie-Panels geheizt: Von April bis Oktober liefern diese genug warmes Wasser für den ganzen Haushalt. «Das ist der Hammer. Über mindestens 7 Monate pro Jahr wird unser Warmwasser einfach von der Sonne geheizt.»

Fazit

Das Fazit, das Daniel zieht, ist eindeutig. Er würde es jederzeit weiterempfehlen. Nach ungefähr 8 Jahren hatte sich die Anlage amortisiert. Und Probleme gab es bisher noch keine, weder mit der Solaranlage noch mit der Wärmepumpe oder den Solarthermie-Panels. «Es ist klimafreundlich, praktisch und macht in aller Hinsicht Sinn.» Was aber noch nicht funktioniert hat, ist, die Nachbarn zu überzeugen. Nach der Installation haben Lüschers ein kleines Solarfest für die Nachbarschaft organisiert und allen voller Begeisterung die neue PV-Anlage präsentiert. Weitere Solaranlagen in der Umgebung wurden jedoch seither noch nicht realisiert. Vielleicht warten aber auch alle auf die PV-Aktion für Einfamilienhäuser in der Region Winterthur, die SolarAction momentan plant. Und wenn nicht, dann trennt Daniel im Falle einer Stromlücke einfach seine Solaranlage vom Netz, geniesst die Autarkie und eröffnet ein lokales Wasch-Business.

Weiterführende Informationen

> Zur PV-Aktion in der Region Winterthur

> Zu MYBLUEPLANET

Leuchtturm Winterthur: Ein historisches Areal bekommt neuen Aufwind

Solaranlage Bühler Areal Winterthur

Im Rahmen einer Dachsanierung wurde auf dem Bühler-Areal in Winterthur eine Solaranlage installiert. Und zwar nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch, weil es ökonomisch Sinn macht.

Die Januarsonne strahlt über das Bühler-Areal in Winterthur. An einem schönen Sommertag würden in diesem Moment gut 400 kW Strom von der Solaranlage kommen. Jetzt, da die Anlage mit Schnee bedeckt ist, muss man sich mit 12 kW zufriedenstellen. Warum sich die Anlage trotzdem lohnt, hat uns Martin Kägi im Gespräch erklärt.

Die Initiative

Über 150 Jahre lang wurden auf dem Bühler-Areal in Sennhof, Winterthur Baumwollgarne gesponnen. Seit der Stilllegung der Spinnerei im Jahr 2016 hat sich die Hermann Bühler AG der Umnutzung des Areals gewidmet. Unter anderem wurde bei einer der Hallen auf dem Areal das Dach saniert. «Es hat begonnen, hineinzuregnen, also wussten wir, dass eine Sanierung nötig ist. Und das ist immer der Zeitpunkt, wo man prüfen muss, ob sich eine PV-Anlage lohnen würde.» Und hier hat es besonders gut gepasst: Die geschätzte Lebensdauer des neuen Flachdaches stimmt gut überein mit der Lebensdauer einer PV-Anlage.

Die Umsetzung

Gesagt, getan: Im Jahr 2021 installierte die Hermann Bühler AG gemeinsam mit der EKZ eine PV-Anlage mit einer Fläche von 3600 m2. Dies ist eine der grössten Anlagen in der Region. Realisiert wurde das Projekt im Contracting: Die Hermann Bühler AG stellt ihr Dach zur Verfügung und verpflichtet sich dazu, den produzierten Strom abzukaufen. Die EKZ kümmert sich um den ganzen Rest: Baubewilligungen, Installation, Reparatur von Schäden und alles, was sonst noch anstehen könnte. «Wie die meisten Gewerbetreibenden haben auch wir andere Sorgen als unsere PV-Anlage. Also haben wir uns für dieses Sorglos-Paket entschieden: Wir müssen nur unser Dach bereitstellen und profitieren von grünem und günstigem Strom – was will man mehr.»

Die PV-Anlage heute

Seit August ist die Anlage in Betrieb und funktioniert einwandfrei. Und jetzt, wo langsam die ersten Mieter:innen einziehen, wird der Strom auch gebraucht: Über ein ZEV können alle, die eine Fläche auf dem 15’000 m2 grossen Gewerbeareal oder eine der 89 Wohnungen beziehen, vom Solarstrom der Anlage profitieren.


Technische Details

  • Leistung: 586 kWp
  • Fläche: 3600 m2
  • Energieproduktion: 530’000 kWh/a pro Jahr = Verbrauch von 118 Haushalten
  • Eigenverbrauch (Schätzung): 75%

So lohnt sich die Anlage umso mehr: Die Gewerbetreibenden sind unter der Woche tagsüber vor Ort und beziehen den Strom. Bei den Mieter:innen der Wohnungen ist es genau umgekehrt: Ihr Bedarf ist am Wochenende am grössten. Somit hat es konstant einen gewissen Stromverbrauch und es kann ein hoher Eigenverbrauch erzielt werden: Die aktuelle Schätzung liegt bei ca. 75%.

Zusätzlich betreibt die Hermann Bühler AG noch drei kleine Wasserkraftwerke entlang eines Kanals mit Wasser aus der Töss. Diese produzieren rund 2’800’000 kWh Strom pro Jahr, und haben den Produktionspeak, anders als normale Wasserkraftwerke, im Winter, da die Töss im Sommer sehr trocken ist. Und für die Heizung sind die Liegenschaften an den Quartierwärmeverbund von Stadtwerk Winterthur angeschlossen und beziehen somit aus Holzschnitzeln erzeugte Fernwärme. «So können wir unserer Mieterschaft sagen: Ihr werdet bei uns mit nahezu CO2-neutraler Energie versorgt. Da sind wir schon ziemlich in der Zukunft.»

Fazit

Nicht nur ökologisch macht es Sinn, erneuerbare Energie zu produzieren, es ist auch ökonomisch interessant: So bezahlt die Hermann Bühler AG für den Strom von der Solaranlage nur rund ein Drittel des regulären Strompreises.

Das Problem der Jahreszeiten bleibt bestehen: Jetzt, im Winter und bei Schnee, kommt nur ein Bruchteil dessen, was im Sommer produziert wird, vom Dach. «Wir brauchen noch Lösungen für den Winter: Sowohl die Wasserkraft als auch die Solarenergie haben ihren Produktionspeak im Sommer.»

Doch trotz allem kommt Martin Kägi zu einem eindeutigen Fazit: Eine PV-Anlage auf einem neuen Flachdach ist eigentlich ein Muss und sollte von allen Bauherren mindestens geprüft werden.

Was ist ein ZEV?

ZEV steht für Zusammenschluss zum Eigenverbrauch und ist funktionsmässig das gleiche wie ein EVG (Eigenverbrauchsgemeinschaft). Die Stromverbraucher:innen verfügen über einen gemeinsamen Netzanschluss. Private Zähler messen, wie viel Strom die beteiligten Parteien verbrauchen. Anhand dieser Zählerdaten und den Kosten der Eigenproduktion bzw. des extern zugekauften Stroms werden die individuellen Stromrechnungen aufgestellt. Häufig übernimmt eine darauf spezialisierte Drittfirma die Erstellung der individuellen Stromabrechnungen.

Mit einem ZEV können somit mehrere Parteien vom günstigen Solarstrom profitieren und der Eigenverbrauch wird maximiert.

Weiterführende Informationen

> Video der EKZ zur Solaranlage auf dem Bühler-Areal
> Mehr Informationen zum Bühler-Areal 

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Leuchtturm Meilen: Eine Grossanlage, die durch Vorzeigecharakter besticht

Recyclingcenter Schneider Umweltservice Solaranlage

«Der Zukunft zuliebe». Aus dieser Einstellung heraus entschied sich Schneider Umweltservice dafür, auf ihren Recyclingcentren PV-Anlagen zu installieren. So auch hier in Meilen auf der Sammelstelle Rotholz.

Es ist ein untypisch sonniger Montag im Dezember am rechten Zürichseeufer. Untypisch, aber erfreulich. Denn der Sonnenschein bedeutet, dass die enormen Maschinen und Geräte im Recyclingcenter komplett mit Sonnenstrom betrieben werden können. Im Gespräch berichten Rico Sommerhalder, Geschäftsführer von Schneider Umweltservice, und Aurel Naterop, Stv. Geschäftsführer von Solar Alliance, über das enorme PV-Projekt, das im letzten Jahr umgesetzt wurde.

Die Motivation / Initiative

Die Idee, PV-Anlagen zu installieren, stand bei Schneider Umweltservice schon seit fast 5 Jahren im Raum. Und gerade aktuell, wo der Wechsel zu elektrisch angetriebenen Fahrzeugen immer klarer und unumgänglicher ist, schien es sinnvoller denn je, selbst Strom zu produzieren. So wurde also entschieden, auf ihren Recyclingcentren PV-Anlagen zu installieren. Und mit der Solar Alliance war schnell ein kompetenter Umsetzungspartner gefunden. Nach einer umfassenden Machbarkeitsstudie hat sich Schneider entschieden, die maximale Variante umzusetzen: Auch die Nordseiten der Dächer sollen mit PV bestückt werden.

Die Umsetzung

Gesagt, getan: Im Verlauf des Jahres 2021 wurden fünf der sechs geplanten Anlagen umgesetzt. So auch die Anlage hier in Meilen. Da die Sammelstelle ein Blechdach hat, ist die Unterkonstruktion vergleichsweise unkompliziert und es gab keine grossen technischen Herausforderungen. Dank der Fachplanung durch die Firma Solar Alliance, deren Kernkompetenz auf grossen PV-Anlagen liegt, kann ein Maximum an Stromproduktion erreicht werden, ohne dabei die Netzanschlussleistung zu überlasten. So erkennt eine Steuerung in der Anlage, wann genügend hoher Eigenverbrauch vorhanden ist, und kann so die maximale Netzanschlussleistung umgehen.

Das einzige Problem, was den Bau beeinträchtigte, waren die allgemeinen Verknappungen in der Solarbranche. Zum einen gab es zeitenweise Lieferengpässe, zum anderen wächst die Solarbranche so schnell, dass es oftmals nicht genug Fachkräfte für die Realisierung von solchen enormen Projekten hat. Am Ende hat aber alles geklappt und die Anlage funktioniert einwandfrei.

Die PV-Anlage heute

Seit September ist die PV-Anlage in Betrieb und läuft problemlos. Und der Strom wird auch dringend gebraucht: Das Sortierwerk, das Betonwerk, die Benebelungsanlage, die Ballenpressen, alles läuft mit Strom.  Trotzdem liegt der Eigenverbrauch mit 15-20% eher tief. Dies ist aber nicht weiter schlimm: Bei grossen Anlagen ist die Planung auch so möglich, dass die Rentabilität trotz allem hoch bleibt. Und der Eigenverbrauch wird sich in den kommenden Jahren deutlich erhöhen: Bis 2028 will Schneider mit 90% alternativ betriebenen Fahrzeugen fahren. «Aktuell gehen wir davon aus, dass es Elektrofahrzeuge sein werden. Dort werden wir also sehr viel Strom brauchen», so Sommerhalder.


Technische Details

  • Leistung: ca. 700 kWp
  • Jährliche Produktion: 700’000 kWh = Strombedarf von 200-250 Haushalten
  • Amortisationszeit: ca. 8 Jahre
  • Eigenverbrauch: 15-20%
  • Fläche: 3300 m2
  • CO2-Einsparungen: 28t

Wie geht es weiter?

Aktuell wird in Volketswil die letzte geplante PV-Anlage umgesetzt. Sie wird 2,5-Mal so gross werden wie diese in Meilen. Aber auch das ist noch lange nicht das Ende des Projektes: Um den Eigenverbrauch zu steigern, prüft Schneider die Rentabilität und Machbarkeit von verschiedenen Speicherlösungen. «In der Batterietechnik läuft enorm viel, da kommt immer wieder was Neues. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in zwei Jahren den ersten Akku haben», erzählt Sommerhalder. Denn ja, Speicherlösungen sind teuer. Aber im Moment verbrauchen die Fahrzeuge 2 Millionen Liter Diesel. Wenn dieser Kostenpunkt in Zukunft wegfallen könnte, lohnt es sich, in Speicher zu investieren. 

Die Bilanz, die Schneider also aus dem Projekt zieht, ist sehr positiv. Die Anlagen werden ihnen helfen, ihre ambitionierten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Und auch finanziell lohnt es sich: in 7-8 Jahren wird sich die Anlage amortisiert haben. Das ist ein grosser Unterschied zu Einfamilienhäusern, die sich erst nach 10-15 Jahren amortisieren. «Deshalb sollte man Industriedächer nicht nur aus dem ökologischen Gedanken, sondern auch rein aus finanziellem Interesse mit PV ausstatten», meint Aurel Naterop. Rico Sommerhalder kann sich dem Fazit nur anschliessen: «Wenn man schöne, brach liegende Dachflächen hat, dann muss man etwas machen. Für unsere Generation und der Zukunft zuliebe.» 

Diese Textreportage ist in Zusammenarbeit mit Schneider Umweltservice entstanden. Gibt es in Ihrem Unternehmen auch spannende Solarprojekte, über die wir berichten sollen? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

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Leuchtturm Winterthur: Für eine eigene Solaranlage steigen Genossenschafter aufs Dach

Genossenschafter auf dem Dach für Solaranlage

Während drei Bauetappen stiegen die Bewohner:innen der Wohnbaugenossenschaft (WBG) Talgut in Winterthur Mattenbach auf ihre Dächer, um Solaranlagen zu installieren. Ihr Ziel: Bis 2022 sollen auf den Liegenschaften der Genossenschaft über 1’000’000 kWh Strom pro Jahr produziert werden. Yves Hartmann, Präsident der WBG Talgut, hat uns einen Einblick in das Projekt gegeben.

Die Motivation

Im Jahr 2020 befragte die WBG Talgut, eine 1946 gegründete Winterthurer Wohnbaugenossenschaft mit 279 Wohnungen, ihre Bewohner:innen zu Nachhaltigkeitsthemen und zu Projekten, die sie als Gemeinschaft realisieren möchten. Bei der Auswertung zeichnete sich ein deutlicher Wunsch nach einer eigenen Photovoltaik-Anlage ab. Ein lokaler Partner war schnell gefunden. Denn mit der Energiewendegenossenschaft Region Winterthur (EWG) stiess man auf Solarprofis, die nicht nur  den Bau von PV-Anlagen organisieren, sondern mit dem Selbstbau-Modell bereits viele Erfahrungen gesammelt haben.

Der Selbstbau – die Theorie

Die Aufteilung funktioniert folgendermassen: Die EWG plant die Solaranlage, beschafft das Material, und kümmert sich um die nötigen Bewilligungen. Im Gegenzug trommelt die WBG Talgut Helfer:innen zusammen, die beim Selbstbau mitwirken möchten. «In die Ausschreibung haben wir geschrieben: Jede:r, der einen IKEA-Schrank zusammenbauen kann, kann mithelfen.» Denn viele auf dem Dach anstehenden Arbeiten lassen sich leicht erlernen. So muss jeder Ziegel angehoben, abgeschliffen und mit einem Haken für die Unterkonstruktion versehen werden. Aber auch die Nicht-Schwindelfreien können auf der Baustelle mithelfen: Vom Boden aus wird Material sortiert, zugeschnitten und vorbereitet.

Der Selbstbau – die Praxis

In drei Bauetappen wurden im Jahr 2021 11 PV-Anlagen mit insgesamt etwa 510 kWp Leistung installiert. Und bei jeder Etappe stellten sich neue Herausforderungen: Zu Beginn lag die grösste Schwierigkeit darin, alle Helfenden adäquat zu versichern. Das war nämlich Aufgabe der WBG Talgut, die zum Arbeitgeber wurde, und alle gegen Unfall versicherte.

Während der zweiten Etappe machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Wegen dem vielen Regen mussten die Bauarbeiten immer wieder verschoben werden: Nasse Ziegel sind zu rutschig, um aufs Dach zu steigen. Glücklicherweise erklärten sich die Helfenden bereit, Wochenendschichten einzulegen, und alles wurde rechtzeitig fertig.

Im Herbst, während der dritten Etappe, wurde plötzlich das Material zum Problem: Überall gab es Lieferengpässe und es musste zum Teil auf andere Konstruktionen ausgewichen werden.

Trotz allen Herausforderungen blieb die Stimmung immer gut: «Das Grösste war, dass es überhaupt mit dem Selbstbau geklappt hat: die Leute sind gekommen, haben gut mitgearbeitet und hatten Spass.» Das Ziel der Genossenschaft, die Gemeinschaft zu fördern, wurde damit erreicht, und das bereitet Freude.

Eigenverbrauchsgemeinschaft für Solarstrom

Im  Jahr 2022 sollen auch auf den restlichen Dächern PV-Anlagen installiert werden, ebenfalls im Selbstbau. Das Ziel der WBG Talgut: auf allen Dächern zusammen etwa 1’000’000 kWh Strom pro Jahr produzieren zu können. Das ist weit mehr, als die Genossenschafter:innen selber verbrauchen. Ihr Anteil Solarstrom, den sie ins Netz vom Stadtwerk Winterthur einspeisen, dürfte nämlich bei rund 70% liegen. Dafür werden sie mit 9,5 Rappen pro kWh entschädigt.

Solarstrom, der vor Ort verbraucht wird, wird den Mieter:innen individuell in Rechnung gestellt. Dazu gründete die WBG Talgut eine Eigenverbrauchsgemeinschaft (EVG). Alle Genossenschafter:innen können Mitglied werden. Der ihnen verrechnete Stromtarif ist preislich leicht tiefer angesetzt als das Standard-Stromprodukt von Stadtwerk Winterthur. Ein attraktives Angebot, um möglichst viele Mieter:innen  zu überzeugen. Auch wenn es vieler Erklärungen bedurfte und Überzeugungsarbeit benötigte: mittlerweile sind aber fast alle mit dabei und zufrieden mit dem Angebot.

Zudem soll ab Januar 2022 auf der Website der WBG ersichtlich sein, wie viel Strom aktuell oder im Monatsdurchschnitt produziert wird. So kann man sich täglich ein Bild verschaffen, was die Solaranlagen tatsächlich bewirken.

Fazit

Das Projekt ist aus Sicht der Genossenschaft und ihrer Mitglieder ein voller Erfolg: Gemeinsam wurde etwas bewegt, dass der Energiewende zugute kommt. Durch das Selbstbaumodell konnten die Kosten tief gehalten werden. Und die Tatsache, ein Stück weit unabhängiger vom Strommarkt zu werden und gleichzeitig  überschüssigen Solarstrom andern zukommen zu lassen, gibt allen ein gutes Gefühl.

Was ist eine Eigenverbrauchsgemeinschaft (EVG)?

Um Strom an Mieter:innen zu verkaufen, muss der Besitzer der Solaranlage einen Vertrag abschliessen. Der lokale Stromanbieter installiert einen Smart Meter, der genau misst, wer wie viel Strom von der Solaranlage bezieht und verbraucht. Der Besitzer der Anlage entscheidet sich für einen Preis pro kWh, zu dem er den Strom verkaufen will. Der Stromanbieter misst den Verbrauch und stellt jeden Monat eine Rechnung, aufgeteilt in Strom aus der PV-Anlage, Strom, der vom Netz bezogen wurde und eine Pauschale von 4 Franken für die Abrechnungsdienstleistung. Alle Mitglieder der EVG können frei entscheiden, ob sie den Vertrag unterschreiben wollen und können jederzeit wieder aussteigen. Eine EVG ist somit eine faire und leicht umsetzbare Lösung für MFH-Besitzer, die eine Solaranlage realisieren wollen.

Weiterführende Informationen

> Das Angebot der Energiewendegenossenschaft Region Winterthur
> Die Projekte der WBG Talgut im Überblick

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Leuchtturm Winterthur: Solarstrom ohne Nervenkitzel dank Rundum-Sorglos-Paket

PV-Anlage Einfamilienhaus Winterthur Solarstrom

Aus Überzeugung entschied sich Marilena Gnesa Anfang 2021 dafür, eine PV-Anlage auf ihrem Dach zu installieren. Das Einzige, was sie dafür selbst tun musste, war, den Keller aufzuräumen.

Ein nebliger, grauer Novembertag in Töss, Winterthur. Von der Sonne keine Spur. Und trotzdem produziert die PV-Anlage auf dem Dach der Familie Gnesa gerade genug Strom, dass der Geschirrspüler laufen kann. An sonnigen Tagen reicht der von der PV-Anlage produzierte Strom tagsüber sogar, um 90-100% des Stromverbrauchs der Familie zu decken.

Die Motivation

Die Entscheidung, eine Solaranlage auf ihrem Dach zu installieren, fiel Marilena Gnesa leicht. Die aktuelle Diskussion rund um den Klimawandel und das Thema erneuerbare Energien interessieren sie, und sie ist überzeugt, dass wir auch als Einzelpersonen etwas bewirken können. Einerseits durch die bewusste Nutzung von Strom und andererseits durch das Umsteigen auf erneuerbare Energien. «Und Solarenergie finde ich einfach cool. Klar, es braucht ein System, es braucht Panels, aber ich finde es toll, dass man den eigenen Strom produzieren kann.»  

Zudem wurde bereits beim Bau des Einfamilienhauses eine ökologische Heizungsvariante gewählt und eine Wärmepumpe installiert. Die Kombination mit einer Solaranlage bietet sich da geradezu an.

Die Installation

Nachdem sie nach einiger Recherche auf das Angebot e-Solardach.single, ein Contracting-Modell von Stadtwerk Winterthur stiess, war für Marilena klar, dass dies das Richtige für sie ist. Ein paar Fotos vom Dach und einen Besuch später war es eine abgemachte Sache: Stadtwerk Winterthur übernimmt alle organisatorischen Aspekte und übergibt den Auftrag einer Partnerfirma, Marilena und ihre Kinder räumen den Keller aus, damit die nötigen Installationen bereitgestellt werden können.

Für die Installation wurde aussen am Haus gebohrt, um die Leitung von den Panels in den Keller zu führen, wo ein Wechselrichter installiert wurde. Die Montage der Panels an sich war vermutlich das einfachste an der Installation. Das einzige Problem: Der Baustart der Anlage war Anfang Januar 2021. Mit den Unmengen von Schnee, die in den kommenden Tagen fallen würden, rechnete niemand, weshalb das Baugerüst etwas länger als vorgesehen bei Familie Gnesa stehenblieb. Aber auch um die organisatorischen Probleme, die dadurch verursacht wurden, kümmerte sich Stadtwerk Winterthur.


Technische Details

  • Leistung der Anlage: 4.01kWp
  • Jährliche Stromproduktion: ca. 3514 kWh (über 20 Jahre)
  • Grösse: 20 m2
  • Module: Longi Solar 201 LR4-60HPH
  • Nennleistung: 365 Watt
  • Wechselrichter: SYMO 37-3-5
  • Installateur: Senero

Dies ist ein weiterer Grund, warum sich Marilena für dieses Angebot entschied: Man muss sich um nichts kümmern und hat am Ende eine Solaranlage auf dem Dach. Zudem muss man nicht auf einmal die ganze Anlage bezahlen. Stattdessen bezahlt man einen monatlichen Betrag, eine Art Amortisation. Während dieser Vertragslaufzeit kümmert sich Stadtwerk Winterthur um alle Wartungen.

Dieses Modell ist perfekt für Familien wie ihre, findet Marilena. Man kann eine Solaranlage installieren, ohne auf einmal eine grosse Summe Geld aufbringen zu müssen. Und wenn man nicht mehr überzeugt ist, kann man jederzeit den Restwert der Anlage bezahlen.

Die Anlage jetzt

Seit der Installation der Anlage gab es eine Umstellung im Haushalt: Es wird jetzt nicht mehr auf Niedertarif geachtet, sondern auf Tageslicht-Stunden. Der Geschirrspüler und die Waschmaschine laufen mittags. Dann werden auch, wenn möglich, Geräte aufgeladen. Dazu hat Marilena eine App, die mit der PV-Anlage verbunden ist. Hier sieht sie laufend, wie viel Strom produziert wird, wie hoch der Eigenverbrauch ist und wie viel ins Netz eingespeist wird. Sie kann aber auch die Statistiken der vergangenen Tage und Monate anschauen und demnach ihr Verhalten anpassen. «Das ist sehr praktisch. Mir war es auch wichtig, bewusster mit Energie umzugehen und den Gesamtenergieverbrauch zu reduzieren», so Gnesa.

Das letzte Problem, was noch bleibt, ist die Heizung. Einige Prozesse in der Wärmepumpe passieren in der Nacht, zum Beispiel das Bereitstellen von Warmwasser. Das heisst, da wird Strom vom Netz bezogen. Dabei würde Marilena das Warmwasser im Boiler an sonnigen Tagen lieber tagsüber aufwärmen. Um das umzuprogrammieren, wird sie sich an die Installationsfirma wenden. Durch die programmierbare Nachtabsenkung und die Temperaturregulierung in jedem einzelnen Raum kann sie jedoch einen Einfluss auf den Verbrauch nehmen. Bei der Installation der Anlage hatte Marilena beschlossen, zuerst einmal die ersten Rechnungen abzuwarten und nach einem Jahr zu schauen, ob sich der Aufwand lohnt. Im Moment sieht es so aus, dass der Energieverbrauch gesunken ist, vor allem im Sommer; zusammen mit dem monatlichen Betrag an Stadtwerk Winterthur sind die Gesamtkosten nicht höher als vorher.

Wie weiter?

Für Marilena ist klar: Wenn wir die Energieziele erreichen wollen, müssen alle, die ein geeignetes Dach haben, eine PV-Anlage installieren und den nicht verbrauchten Teil des produzierten Stroms einspeisen. «Die Förderung von Grossanlagen ist wichtig, weil sie viel Strom produzieren. Ich finde aber, auch viele kleine Anlagen können ein Teil der Lösung sein.»

Auch in ihrem Bekanntenkreis erzählt sie gerne von ihrer Anlage und ihren Erfahrungen. Ihr Fazit: Sie würde es jederzeit wieder machen und empfiehlt es jedem, dessen Dach noch unbenutzt ist.

Diese Reportage ist in Zusammenarbeit mit Stadtwerk Winterthur entstanden. Gibt es bei Ihnen in der Gemeinde ähnliche Projekte oder Förderprogramme, über die wir berichten sollen? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

 

Weiterführende Informationen

> Das Angebot e-Solardach.single von Stadtwerk Winterthur
> Details zu Contracting allgemein

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Vereine aufs Dach – Die Entstehung der PV-Anlage in Hettlingen

PV-Anlage Hettlingen Vereine Dach

Auf dem grössten Dach der Gemeinde Hettlingen wurde eine neue Solaranlage installiert. Der Entstehungsprozess dieser Anlage ist speziell, und doch eigentlich sehr naheliegend. 

Es ist April 2021, mitten in der Coronapandemie und bei wechselhaftem Aprilwetter. Trotz allem wagten sich während sieben Tagen insgesamt 52 Freiwillige aus acht Hettlinger Vereinen auf das Dach der Mehrzweckhalle, um bei der Installation der neuen PV-Anlage mitzuhelfen. 330 Module, also mit der zugehörigen Trägerkonstruktion etwa sieben Tonnen Material, wurden auf der grossen Dachfläche verlegt. Der Strom, der von nun an dort produziert wird, entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch von 25 Haushalten. Jürg Hofer aus dem Verein erneuerbare Energie Hettlingen (eEH) erzählt, wie das Ganze ablief.


Das Projekt

Seit der Gründung des Vereins eEH im Jahr 2013 steht die Mehrzweckhalle auf der Liste. Sie besitzt das grösste Dach der Gemeinde und könnte somit am meisten Strom produzieren. Nach der Erneuerung der Lüftung war es 2018 endlich so weit: Der Gemeinderat von Hettlingen kam auf den Verein zu und fand: „So, das machen wir jetzt!“ Davor wurden schon auf zwei Dächern der Gemeinde Solaranlagen installiert, die der Verein mittels Crowdsponsoring unterstützte. Doch diesmal entschied man sich für ein anderes Modell: In Zusammenarbeit mit der Energiewendegenossenschaft Winterthur beschloss man, die Anlage mithilfe von Freiwilligen aus der Gemeinde zu installieren. Der Verein eEH übernahm die Suche nach diesen Arbeitskräften. Die Motivation: Für jede Arbeitsstunde gab es 5 Franken in das Vereinskässeli des Freiwilligen. So wurden 52 Freiwillige für die Installation zusammengetrommelt. Diese wurden dann an verschiedenen Tagen aufgeboten, damit stets etwa zehn bis zwölf Helfende verfügbar waren.

Das Projekt startete am Osterdienstag 2021. Alle Helfenden wurden täglich getestet. Die beiden Projektleiter der Energiewendegenossenschaft waren immer vor Ort und haben die Freiwilligen fachkundig unterstützt. Die Leute hatten den „Plausch“ und haben, laut Jürg Hofer, alle super mitgearbeitet, sodass die Anlage nach sieben Tagen schon fertig war.


Vorteile für die Gemeinde

Dieses Modell ist, so Hofer, auch für andere Gemeinden geeignet. Durch den Einsatz von Freiwilligen konnte die Gemeinde etwa 35’000 Franken sparen, obwohl sie noch für das Catering und den Vereinsbatzen aufkommen musste. Ausserdem kreierte das Projekt ein starkes Gemeinschaftsgefühl und brachte die unterschiedlichen Vereine näher zusammen.


Wie weiter?

Das Nächste, was ansteht, ist die Erfassung der Daten der drei PV-Anlagen auf den Schulgebäuden und Darstellung auf einem Bildschirm, der auf dem Schulareal aufgestellt werden soll. So kommt auch ein didaktischer Aspekt ins Spiel: Die Schüler:innen bekommen ein Gefühl dafür, was Strom überhaupt ist und wofür diese Anlage da ist.

Der Verein eEH hat zudem noch ganz viele Ideen rund um das Thema erneuerbare Energien. Zurzeit liegt der Hauptfokus auf der unentgeltlichen Energieberatung, die EFH-Besitzern aus der Gemeinde angeboten wird. Aber auch weitere Bereiche wie Heizungsersatz, Elektromobilität und Batterien werden vorangetrieben. Das wichtigste Ziel des Vereins ist es aber, die Öffentlichkeit und Interessierte weiterhin zu informieren sowie die Gemeindebehörden dazu anzuregen, dass erneuerbare Energien weiterhin Priorität in der lokalen Politik erhalten.

Wir danken Jürg Hofer für das aufschlussreiche Gespräch. Sind Sie neugierig geworden und wollen mehr wissen? Dann schauen Sie sich das Video über die Installation an oder lesen Sie den Blog der EWG Winterthur zum Projekt.


Weiterführende Informationen

> Das Angebot der Energiewendegenossenschaft Region Winterthur
> Der Verein erneuerbare Energie Hettlingen

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